Depesche Februar 2016

Liebe Kunden, Interessierte und Freunde von deZem,

Mit der Depesche möchten wir Sie, wie immer, an neuen deZem Entwicklungen teilhaben lassen, und aus Praxis und Politik der Energieeffizienz berichten.

Hier präsentieren wir Ihnen das neueste deZem Produkt: den Datenlogger iPCX - eine Eigenentwicklung, die unsere umfassende Erfahrung beim Sammeln von Daten bündelt.

Was macht das Energiemanagement der FU Berlin so erfolgreich? Lesen Sie spannende und praxiserprobte Tipps der FU Stabsstelle für Nachhaltigkeit und Energie.

Eine informative Recherche zur weiteren Umsetzung der Ergebnisse des Pariser Klimagipfels: wie soll das Ziel von 2 °C erreicht werden, und wie ehrgeizig sind die deutschen Ziele eigentlich im internationalen Vergleich? Was denken Sie?

  • Showroom für innovative, effiziente Gebäudetechnik

deZem wächst kräftig weiter und wir bereiten unseren nächsten Umzug vor. Auf der neuen Fläche wollen wir energieeffiziente Klimatisierung und Beleuchtung demonstrieren. Sind Sie Planer oder Technikanbieter und haben Lust, mit uns ein Leuchtturmprojekt zu realisieren? Kontaktieren Sie uns bitte kurzfristig, Koordination: C. Kappler.

Wir bieten regelmäßig Schulungen für aktuelle und werdende Kunden mit folgenden Inhalten an:

      • Planung und Aufbau eines Energiecontrollingsystems
      • Analysesoftware effektiv nutzen, Einsparpotentiale identifzieren
      • ISO 50001 in der Praxis
      • Administrieren der Feldebene

Schwerpunkte nach individueller Absprache. In den kleinen Gruppen von 6-12 Personen entwickelt sich ein intensiver, gewinnbringender Austausch. Melden Sie sich gerne an, nächster Termin: Dienstag, 15. März 2016.

Nun wünschen wir viel Spaß beim Lesen - Ihr deZem Team.


Neues aus der Technik... unser iPCX!

Kompakter, universell nutzbarer Datenlogger

Sie kennen wahrscheinlich unsere flexiblen, linux-basierten Industrie-PCs, die unterschiedlichste Medien, Zähler, Sensoren und Signale per Netzwerk oder Mobilfunk an ein Energiemonitoringsystem anbinden. Diese deZem Industrie-PC Familie hat ein neues Mitglied, den iPCX!

Der iPCX wurde komplett von deZem entwickelt und zeichnet sich durch seine Vielfalt an Schnittstellen und Datenprotokollen aus. Ein M-Bus Pegelwandler ist integriert - alles in einem 190 g Gerät, das Platz auf jeder Hutschiene findet!

deZem iPCX

Wir zählen auf: M-Bus mit integriertem Pegelwandler für 60 Standardlasten, 1x CAN-Bus, 4x 0 - 10 V Eingang / Statusüberwachung / Zählimpuls, 2x 0 / 4 - 20 mA Eingang, 2x serielle Schnittstellen, 2x USB-Device, 1x USB-Host, Ethernet, 2x 4 - 20 mA Ausgang, 2x Digitalausgang. Wie jeder unserer iPCs versteht auch der iPCX die Protokolle M-Bus, wM-Bus, Modbus/RTU und /TCP, BACnet/IP, CAN-Bus, 1-Wire sowie besondere Datenformate bei Bedarf. Und wie jeder unserer iPCs ist auch der iPCX über eine graphische Oberfläche äußerst komfortabel einzurichten, findet selbsttätig die auf scanbaren Feldbussen vorhandenen Geräte bzw. bietet eine flexible Templatefunktion.

Neugierig? Weitere Information zum iPCX finden Sie auf der Webseite, dem iPCX Datenblatt, oder rufen Sie uns einfach an! [ck]


Aus unseren Projekten... die Freie Universität Berlin!

Energieverbrauch um 25 % gesenkt - "und da geht doch noch mehr!“

FU Berlin

 

Die Freie Universität Berlin hat bereits seit dem Jahr 2001 ein bereichsübergreifendes Energie- und Umweltmanagementsystem, das schon mehrfach prämiert wurde - zuletzt 2015 für „energieeffizientes und nachhaltiges Campus-Management“ im Wettbewerb der KlimaSchutzPartner Berlin. Der größte Erfolg besteht jedoch in der bereits erzielten Energieeinsparung: Zwischen 2000/01 und 2011 konnte der Endenergieverbrauch bei insgesamt stabiler Flächenentwicklung um über 25 % gesenkt werden. Seit 2012 ist der Energieverbrauch mit kleinen Ups and Downs weitestgehend stabil geblieben – trotz steigenden Bedarfs vor allem im IT- und Laborbereich.

FU Logo

Die „Rostlaube“ der Freien Universität.                    Bildquelle: Bernd Wannenmacher / FU Berlin

Das Team der Stabsstelle Nachhaltigkeit und Energie der Freien Universität hat aber noch mehr vor. Melanie Thie, stellvertretende Leiterin der Stabsstelle, sagt: „Die bisherigen Einsparungen haben wir vor allem durch Maßnahmen wie die Erneuerung und Optimierung alter Anlagen im Verbund mit dem universitätsweiten Bonussystem, das die Fachbereiche in die Lage versetzt, durch energiesparendes Verhalten Prämien zu generieren, erreicht. Nun sind wir aber an einem Punkt angekommen, wo Einsparungen immer schwieriger werden und wir noch tiefer in die Energiebedarfe der Gebäude schauen müssen. Ein Energie-Onlinesystem mit einer detaillierten Echtzeitauswertung sehen wir als Chance, unseren Energieverbrauch weiter und nachhaltig zu senken.“

Während die Energieverbräuche in der ersten Dekade nämlich „zu Fuß“ verwaltet wurden, wird nun sukzessive ein Online-Energiecontrollingsystem aufgebaut. Im Moment sind 150 der knapp 200 Universitätsgebäude mit rund 400 Wärmemengen-, Gas- und Stromzählern, sowie Temperatursensoren online. Im kommenden Jahr sollen die restlichen Gebäude in das Onlinesystem integriert werden. Alle Messwerte werden mit nur einem deZem Datenlogger in Echtzeit aus der GLT ausgelesen und auf der Online-Plattform für eine Analyse zur Verfügung stellt.

Wie geht das FU Team vor, um neue Einsparpotentiale zu finden? „Wir checken zum Beispiel den aktuellen Ist-Zustand“, sagt Frau Thie. „Funktioniert die Nacht- und Wochenabsenkung wie gedacht? Taktet die Anlage unnötig? Sind Lüftungsanlagen in Hörsälen außerhalb von Vorlesungen abgeschaltet? Probleme in diesen Bereichen gibt es häufiger als man denkt, aber man sieht sie von außen nicht immer. Mit einem Blick auf den Online-Verbrauch sind sie schnell zu finden, und vor allem im Anschluss häufig leicht zu beheben. Eine Herausforderung besteht nun darin, automatisierte Alarme intelligent einzurichten, um bei Auffälligkeiten automatisch benachrichtigt zu werden, sowie Energieberichte aussagefähig zu erstellen.“

Auch das große Tropenhaus wird vermessen.  Bildquelle: Bernd Wannenmacher / FU Berlin
FU Grafik

In der obenstehenden deZemVis Grafik ist z.B. der Erfolg der 2012/2013 eingeführten Betriebsferien gut zu sehen: Sie zeigt den Lastgang der Campus-Stromeinspeisung über die zwei Weihnachtswochen im Winter 2011/12 (blau) im Vergleich zum Winter 2014/15. Die erfolgreiche Lastabsenkung während der Schließzeit ist deutlich erkennbar. Seit 2012/2013 werden durch die Betriebsferien jedes Jahr zwischen 225.000 und 280.000 € Energiekosten eingespart.

Noch ein Tipp von Frau Thie: Beim Aufbau eines Energiemonitoringsystems lohnt es sich zu überlegen: wo reicht es aus, den Gesamtverbrauch zu messen und wo sind tiefergehende Details sinnvoll? Wie sollen die Messwerte übertragen werden? Welche Anforderungen gibt es an die Hardware? Denn: eine solide Datengrundlage ist Voraussetzung für alles Weitere. Dazu ein Hinweis in eigener Sache: deZem kann Messwerte aus praktisch jeder Messinfrastruktur problemlos integrieren und unterstützt Sie natürlich gerne bei Messkonzept und Aufbau.

Übrigens, Netzwerken zu diesem Thema bringt alle weiter. Wenn Sie als Anwender von deZem-Lösungen auch an detaillierten Auswertungen und Kennwertüberwachungen, z.B. für Lüftungszentralen oder Rechenzentren, arbeiten, und das Ziel haben, Ihr Energiemanagementsystem laufend zu verbessern, ist die Stabsstelle Nachhaltigkeit und Energie an der Freien Universität Berlin an Austausch interessiert! deZem vermittelt den Kontakt gerne. [fw, ck]


Mehr Information... zur Umsetzung des Pariser Klimagipfels!

Zwei-Grad-Limit, aber wie?

Die Ergebnisse des Pariser Klimagipfels im letzten November werden als historisch betrachtet. Um das berühmte „Zwei-Grad-Limit“ zu erreichen, gehen die Länder verschiedene Wege - und im Vergleich schneidet manches Land ganz anders ab als gedacht...

Rückblick - was wurde in Paris beschlossen?

Erstmals beschlossen alle 195 Staaten der Erde den Klimawandel anzugehen und die globale Erwärmung, verglichen mit 1990, auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen [1] . Auf dieser Basis soll nun ein Nachfolger des bis 2020 verlängerten Kyotoprotokolls entwickelt werden. Letzteres enthält detaillierte Ziele zur Emissionsreduktion sowie Strafmaßnahmen bei Verstößen [2]. Das Abkommen von Paris enthält all dies nicht und stellt daher noch keinen Ersatz für das Kyotoprotokoll dar.

Wie aber soll das Zwei-Grad-Limit erreicht werden?
Insbesondere in den Staaten, die sich Klimazielen bisher verweigert hatten?

Indien beruft sich seit jeher darauf, vorrangig die Armut im eigenen Land bekämpfen zu müssen. Es fordert ein „Recht auf Entwicklung“ und damit ähnliche Pro-Kopf-Emissionen wie die Industrienationen [3]. 2013 lagen diese in Indien bei einem Wert von 1,9 t CO2 pro Kopf*[4], also ein Bruchteil der 10 t / Kopf, die der Durchschnittsdeutsche 2013 verursachte. Zudem liegt Indien noch knapp unter den angestrebten 2 t pro Kopf, die ein Gleichgewicht zwischen anthropogener Produktion und natürlicher Absorption, z. B. durch Pflanzen, darstellen [5]. Dieses Argument machte Indien auch in Paris deutlich und sorgte für die Ab­schwäch­ung einiger Formulierungen.

Benchmark 2t CO<sub>2</sub> pro Kopf

Dennoch hat Indien vorbildliche Ziele für die Nutzung erneuerbarer Energien, insbesondere aus Sonne und Wind. Bis 2030 sollen 40 % der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen stammen, allerdings mit einem kleinen Anteil Kernenergie [6]. Zum Vergleich: das Ziel der EU bis 2030 ist ein Anteil von 27 % [7].

China hatte 2013 eine CO2 Emission von 7 t / Kopf, und war damit übrigens für 23 % des weltweiten Gesamtausstoßes verantwortlich (2015 schon 28 %). So wurden 2013 noch fast 70 % der Primärenergie aus Kohle gewonnen [8]. Im Zuge des Versprechens, bis 2030 den Höhepunkt der Emissionen zu erreichen [9], soll 2017 der Emissionshandel für Unternehmen eingeführt werden [10]. Es wird interessant zu beobachten, ob dieser Erfolge zeitigt. Zudem haben, aufgrund der hohen Luftbelastung, bereits ein Drittel der chinesischen Provinzen Begrenzungsziele für die Nutzung von Kohle bis 2017 beschlossen [11]. Die Gewinnung erneuerbarer Energien wird bereits im großen Stil ausgebaut und China hat angekündigt, bis 2030 bis zu 42 % des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen abdecken, wiederum inklusive eines wenngleich geringen Anteils Kernenergie [9].

Die USA haben unter Präsident Obama 2015 erstmals einen Clean Power Plan (CPP) vorgestellt [12]. Wenn verwirklicht, würde die CO2-Emission von 17 t / Kopf bis 2025 um maximal 28 % gesenkt [13]. Dies würde (gleichbleibende Einwohnerzahl vorausgesetzt) eine Emission von 12,2 t / Kopf bedeuten, also noch immer mehr als in Deutschland 2013. Der Anteil erneuerbarer Energien soll bis 2030 auf 20 % steigen... Dem Senat war selbst dieser Plan zu ambitioniert und er lehnte ihn ab. Präsident Obama ließ jedoch verlauten, dass er von seinem Vetorecht Gebrauch machen wird [14]. Der weitere Verlauf dieser politischen Offensive hängt wohl vor allem vom Ausgang der Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr ab.

Bis 2030 Erneuerbare ausbauen

Dass Deutschland im internationalen Vergleich bisher eine Vorreiterrolle einnimmt, ist bekannt. Aber - bis Deutschland seine Verpflichtung erfüllt, den CO2-Ausstoß 2020 um 40 % gegenüber 1990 zu senken, dies entspräche übrigens einem pro-Kopf-Ausstoß von 7,5 t (unter der Annahme gleichbleibender Einwohnerzahl), ist es noch ein weiter Weg: laut einer Hochrechnung im letzten Monitoring-Bericht der Bundesregierung [15] ist die Erreichung dieses Ziels im Moment nämlich unwahrscheinlich. Der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien soll in Deutschland von 28 % in 2014 auf etwa 50 % in 2030 erhöht werden [16], somit ist Deutschland marginal ehrgeiziger als Indien und China. Anders als in den anderen Ländern wird hierzulande jedoch Kernenergie nicht zu den erstrebenswerten „erneuerbaren“ Energiequellen gezählt.

Um die Energieeffizienzziele zu erreichen ist also noch etwas zu tun. Dem Leser dieser Depesche erzählen wir nichts Neues: ein sinnvoller und effektiver Schritt besteht darin, ein deZem Energiecontrollingsystem aufzubauen. [lj]

* CO2 Emissionen nach dem Produktionsprinzip, d. h. sie werden dem Land zugerechnet, in dem die Emission geschieht.

Literaturverzeichnis

[1] „Historic Paris Agreement on Climate Change- 195 Nations Set Path to Keep Temperature Rise well Below 2 Degrees Celsius“. UNFCC. 12.12.2015. Abgerufen am 12.2.2016 von http://newsroom.unfccc.int/unfccc-newsroom/finale-cop21/
[2] "Kyoto Protokoll“. Umweltbundesamt. 23.10.2015. Abgerufen am 9.2.2016 von http://www.bmub.bund.de/themen/klima-energie/klimaschutz/internationale-...

[3] „Why no country matters more than India at the Paris Climate Talks“. Justin Worland. 11.12.2015.Abgerufen am 5.2.2015 von http://time.com/4144843/india-paris-climate-change/
[4] Abgerufen am 11.2.2016 von Global Carbon Atlas http://www.globalcarbonatlas.org/?q=en/emissions
[5] Abgerufen am 11.2.2015 von http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/2-Grad-Ziel
[6] „India's energy mix to have 40% renewable sources by 2030“.Nitin Sethi. 22.9.2015. Abgerufen am 5.2.2016 von http://www.business-standard.com/article/economy-policy/india-s-energy-m...
[7] „2030 Energy Strategy“, abgerufen am 10.2.2015 von http://ec.europa.eu/energy/en/topics/energy-strategy/2030-energy-strategy.
[8] Abgerufen am 12.2.2016 von http://www.bp.com/content/dam/bp/pdf/energy-economics/statistical-review...
[9] Abgerufen am 12.2.2016 von http://climateactiontracker.org/countries/china.html
[10] „China- Emissionshandel ab 2017“. Klimaretter.info. 25.11.2015. Abgerufen am 9.2.2016 von http://www.klimaretter.info/politik/nachricht/19686-china-emissionshande...
[11]„Internationale Klimapolitik“. Germanwatch. 3/2014.Abgerufen am 8.2.2016 von https://germanwatch.org/de/download/10245.pdf
[12] „Clean Power Plan- Obama definiert Klimawandel als größte Gefahr der Welt“. Reuters. 3.8.2015. Abgerufen am 9.2.2016von https://germanwatch.org/de/download/10245.pdf
[13] United States Environmental Protection Agency.2015. Abgerufen am 5.2.2016 von http://www.epa.gov/cleanpowerplan/regulatory-actions#regulations
[14] „Was bedeutet das Pariser Klimaabkommen für die Klimapolitik der USA?“. Rebecca Bertram. 17.12.2015. Abgerufen am 5.2.2016. https://www.boell.de/de/2015/12/17/was-bedeutet-das-pariser-klimaabkomme...
[15] „Ein gutes Stück Arbeit- Die Energie der Zukunft- Vierter Monitoringbericht zur Energiewende-Kurzfassung“. BMWi.November 2015.Abgerufen am 2.2.2016 von http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/V/vierter-monitoring-bericht-energ...
[16] Abgerufen am 12.2.2016 von https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Energiewende/EnergieE...